29.10.21

Was ist ein Stoma?

Menschen, die wegen einer Erkrankung ein Stoma bekommen, haben im Vorfeld viele Fragen zur Operation, Nachsorge und den Umgang mit der Stomaanlage. Ebenso sorgt der Eingriff bei vielen Patienten für Verunsicherung und emotionaler Belastung. Daher ist es neben den detaillierten Aufklärungsgesprächen wichtig, dass den Betroffenen im Vorfeld eines chirurgischen Eingriffs Ängste und Sorgen genommen werden. Auch nach der Operation sollten betreuende Stomatherapeuten oder speziell ausgebildete Pflegekräfte den Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 

Stoma. Was ist das?

Das Wort Stoma kommt aus dem Griechischen und bedeutet Mund oder Mündung. Bei Menschen mit bestimmten Erkrankungen, wie beispielsweise Krebs oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, kann ein dauerhafter oder temporärer künstlicher Ausgang an den Harnwegen oder am Darm bei speziellen Krankheitsverläufen notwendig sein.

 

Die häufigsten Erkrankungen bzw. Ursachen, die ein Stoma nach sich ziehen:

·       Darmkrebs(Kolon- und Rektum-Karzinom)

·       Perforation bei Divertikulose/Divertikulitis

·       Entzündlich chronische Erkrankungen Morbus Crohn & Colitis Ulcerosa

·       Vererbbare Erkrankungen (bspw. Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP))

 

Diese chirurgisch angelegte Öffnung in der Bauchdecke wird als Stoma bezeichnet. Dieser schafft eine offene Verbindung zwischen den Hohlorganen Darm oder Harnwegen und der äußeren Haut auf dem Bauch. Dabei beschreibt der künstliche Ausgang der Harnwege ein Urostoma und ein künstlicher Darmausgang ein Enterostoma. Gastrostoma bezeichnet hingegen einen künstlichen Eingang, durch den der Patient künstlich ernährt wird (enterale Ernährung). Tracheostoma beschreibt die künstlich geschaffene Verbindung mit der Luftröhre, die Patienten mit Einschränkungen bzw. fehlender Fähigkeit hinsichtlich der Atmung unterstützt.

Wir werden uns bei der weiteren Erklärung auf den künstlichen Darmausgang (Enterostoma) konzentrieren. Die temporäre Öffnung des Darms dient zur kurzfristigen Stilllegung spezieller Darmabschnitte aufgrund von Operationsnähten oder sonstigen postoperativen Maßnahmen bzw. Symptomen in den entsprechenden Segmenten des Darms. Dauerhaft angelegte künstliche Darmausgänge(Mehrzahl: Stomata) sollen eine Darmfunktionseinschränkung beheben oder den Stuhlgang aus dem Darm abführen, wenn beispielsweise Darmabschnitte operativ aufgrund von schwerwiegender Krankheitsverläufe entfernt werden mussten.

 

Zwischen welchen Arten von künstlichen Darmausgängen wird unterschieden?

Man unterscheidet je nach Lage des künstlichen Darmausgangs zwischen einem Ileostoma und einem Kolostoma. Beide Stomaarten gehören in die Kategorie der Enterostomata, da sie einen künstlich geschaffenen Darmausgang, bei dem der Darm durch die Bauchdecke ausgeleitet wird, beschreiben. Das Ileostoma ist der künstliche Ausgang des Dünndarms. Dieser leitet dünnflüssigen Stuhl über den Stomabeutel aus und wird bei Störungen oder Erkrankungen des Dickdarms oder des Schließmuskels angelegt. Eine Anlage eines Kolostomas wird notwendig, wenn Abschnitte des Dickdarms betroffen sind und die Ausscheidungen nicht durch den After nach außen abgeleitet werden können.

Außerdem unterscheidet man zwischen endständige (permanent) Stomata und doppelläufige oder sogenannte Loop-Stomata. Letztere werden temporär angelegt, während ein endständiges Stoma überwiegend dauerhaft chirurgisch angelegt wird.

Beim Loop-Stoma wird der Darm an der Bauchvorderseite geöffnet, sodass zwei nebeneinanderliegende Öffnungen entstehen. Dabei wird zwischen einem oralen (zuführenden) und einem aboralen (abführenden) Schenkel unterschieden. Der orale Schenkel führt vom Magen zum Stoma. Dieser wird sichtbar auf der Bauchdecke angelegt und fördert den Stuhlgang. Der aborale Schenkel führt hingegen vom Stoma zum Anus. Dieser stillgelegte Teil sondert weiterhin Schleim ab, sodass die Betroffenen weiterhin einen Stuhldrang verspüren und es zu einer Schleimentleerung kommt. Dieses Stomakann sehr gut wieder zurückgelegt werden.

Bei der endständigen Form ist, wird der Darm vollständig durchtrennt und der obere Darmabschnitt mit der Bauchdecke verbunden (oraler Schenkel) und die dahinterliegenden Darmteile entfernt und verschlossen (aboraler Schenkel).

Der Stuhlgang kann somit nicht mehr über den After ausgeschieden werden. Beim Kolostoma ist gegebenenfalls eine „Irrigation“ möglich, die den Darm in Form von Darmspülungen komplett entleert, sodass einige Tage keine Ausscheidungen auftreten und die Betroffenen lediglich kleine Stomabeutel oder Stomakappen benötigen.

 

Stomaversorgung

Bei den Versorgungssystemen wird zwischen einteiligen und zweiteiligen Versorgungssystemen unterschieden. Dabei handelt es sich um Beutel und Hautschutzplatten, die an der Haut angebracht werden. Beim einteiligen Versorgungssystem ist die Hautschutzplatte mit dem Beutel verbunden. Nach 24 Stunden muss dieses System komplett gewechselt werden. Hingegen wird beim zweiteiligen System erst die Hautschutzplatte/Basisplatte geklebt und anschließend der Stomabeutel mit einem Rastring oder einer Klebefläche auf der Platte befestigt. Der Beutel wird ebenfalls alle 24 Stunden gewechselt. Die Basisplatte kann allerdings 2 bis 3 Tage auf der Haut verbleiben.

 

Wissenswertes im Überblick

Selbsthilfegruppen, klinische Stomatherapeuten, Fachpersonal des Homecare-Unternehmens oder der Sanitätshäuser und Krankenkassenstehen den Betroffenen mit Expertisen und individuellen Ratschlägen zur Seite.

Solltest Du Fragen oder Probleme zu Deinem Stoma haben, geh aktiv auf die Ansprechpartner zu! Gerne kannst Du auch unsere Experten telefonisch, per E-Mail oder in unserer App kontaktieren.

Grundsätzlich ist keine große Ernährungsumstellung notwendig. Dennoch empfiehlt es sich auf mehrere kleine Zwischenmahlzeiten umzusteigen und große Nahrungsportionen zu vermeiden. Zudem sollte bei langfaserigen Lebensmitteln aufgrund des Zellulose-Bestandteils darauf geachtet werden, dass das Stoma nicht blockiert und verklebt.

Du möchtest mehr zum Thema Ernährung wissen? Dann kontaktiere uns und wir senden Dir umgehend weitere Information zu!

Kann das Stoma unangenehm riechen? Geruch entsteht nur durch die eigentlichen Ausscheidungen, wie bei einem normalen Stuhlgang auch. Das System aus Beutel und Klebeplatte ist fest mit der Haut verbunden und mit Aktivkohlefiltern zur Geruchshemmung ausgestattet.  

 

Kann man Stoma Sport treiben? Ja Sport kann auch mit einem Stoma getrieben werden. Dennoch wird angeraten während der Aktivität eine Stoma-Bandage zu tragen. Außerdem sollte auf schweres Heben und Bauchmuskeltraining verzichten werden, da es im schlimmsten Fall zu einem Bauchwandbruch in der Nähe des Stomas kommen kann.

 

Trotz des Stomas ist ein „normaler“ Alltag mit einigen Vorsichtsmaßnahmen möglich. Informiere Dich rechtzeitig vor einer anstehenden Operation und lass Dich von Fachkräften umfassenden beraten!