19.10.21

Darmkrebsrisiko durch Darmspiegelungen minimieren

Darmspiegelungen, sogenannte Koloskopien, sind Untersuchungen des Dickdarm- und Enddarms, die mithilfe eines Koloskops durchgeführt werden. Ein Koloskop ist ein schlauchförmiges Instrument mit einer integrierten Kamera an der Spitze des Schlauchs.

 

Warum und wann sollte eine Darmspiegelung durchgeführt werden?

Koloskopien gehören zu den Vor- und Nachsorgeuntersuchungen und werden insbesondere bei der Vorsorge von Darmkrebs im Rahmen des Früherkennungsprogramms eingesetzt. Ebenso wird diese Methode aber auch bei anderen Darmbeschwerden und Symptomen durchgeführt. Folgende Punkte gelten grundsätzlich als Grund für den Einsatz einer Darmspiegelung:

o   Früherkennungsprogramm bei keinerlei Beschwerden ab dem 55. Lebensjahr (das Programm ist eine Krankenkassenleistung)

o   Darmkrebs-Prävention bei erhöhtem Darmkrebsrisiko aufgrund genetischer Veranlagungen

o   Diagnostik bei symptomatischen Beschwerden, wie beispielsweise anhaltende Bauchschmerzen, Blut im Stuhl usw.

o   Nachuntersuchungsmethode nach einer Darmkrebserkrankung oder Vorstufen dieser Erkrankung

Die Untersuchung wird überwiegend ambulant von speziell ausgebildeten Medizinern, sogenannten Gastroenterologen unter sehr strengen Hygieneauflagen in spezialisierten Arztpraxen, Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) oder Klinikambulanzen durchgeführt.

 

Aufklärungsgespräch, Voruntersuchung und Darmreinigung

Zur Vorbereitung auf die Darmspiegelung wirst Du zu Beginn in einem Arztgespräch umfangreich über die Untersuchung aufgeklärt, eine Voruntersuchung sowie Darmreinigung folgen anschließend.

Welche Punkte werden in einem Aufklärungsgespräch besprochen?

Sofern der Arzt eine auffällige Darmveränderung entdeckt, kann er direkt eine Gewebeprobe entnehmen. Dieser Eingriff gilt als kleiner chirurgischer Eingriff, weshalb Du im ersten Schritt dem Arzt Dein Einverständnis durch die Unterzeichnung des Aufklärungsbogens erteilen musst. Dabei erhältst Du eine ausführliche Aufklärung über die potenziellen Risiken. Diese sind aber grundsätzlich im Verhältnis zum Nutzen als äußerst gering einzustufen. Zusätzlich werden Dir die verschiedenen Möglichkeiten der Narkose erläutert. So kann die Einnahme eines Beruhigungsmittels unter Umständen und insbesondere bei potenziellen Angstzuständen Sinn ergeben. Die Untersuchung ist leichter bei entspannter Muskulatur durchzuführen. Da es aufgrund der möglichen Gewebeentnahme zu kleinen Verletzungen innerhalb des Darms kommt, nimmt Dir der Arzt außerdem Blut zur anschließenden Blutuntersuchung ab. Solltest Du gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, teil dies unbedingt Deinem Arzt mit. Dieser muss dann über die vorübergehende Absetzung entscheiden.

 

Was ist eine Darmreinigung und wie läuft diese ab?

Zur Koloskopie-Vorbereitung ist die komplette Darmentleerung unerlässlich. Das Rezept für die entsprechenden Präparate (Abführmittel) werden Dir direkt in der ambulanten Praxis ausgestellt. Wenige Tage vor der Untersuchung solltest Du auf faser- und kernhaltige Kost verzichten und prinzipiell auf leicht verdauliche Nahrungsmittel zurückgreifen. Das eigentliche Abführen mithilfe des verschriebenen Abführmittels beginnt mittlerweile erst ein Tag vor der Darmspiegelung. Erlaubt sind dann nur noch klare Flüssigkeiten, aber keine feste Nahrung. Als Diabetiker fragst Du bitte in der Praxis, wie der Blutzuckerspiegel konstant gehalten werden kann.

 

Wie läuft die Koloskopie ab und wie geht es nach der Untersuchung weiter?

Die Darmspiegelung findet in seitlicher Lage des Körpers statt. Der Arzt führt den fingerdicken Kameraschlauch dabei in den After ein und dringt in den Enddarm und von dort in den Dickdarm ein. Währenddessen wird Luft in den gesamten Darmabschnitt zur Weitung des Darms geblasen. Erst beim Herausziehen des Schlauches begutachtet der Mediziner die Dickdarmschleimhaut auf Unregelmäßigkeiten und prüft die Bilder des Darms auf dem Monitor. Das Vordringen des weichen Schlauches wird als leicht unangenehm, aber selten als schmerzhaft empfunden. Bei einer Kurznarkose spürst Du nichts von der Koloskopie. Grundlegend sind die Risiken einer Darmspiegelung sehr gering, dennoch kann es in seltenen Fällen aber auch zu schweren Komplikationen, wie beispielsweise das Durchstechen des Darms durch die Untersuchungsinstrumente, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder stark auftretende Blutungen, kommen. Findet der behandelnde Arzt Auffälligkeiten, wie Polypen (Krebsvorstufen), werden diese mithilfe von Schlingen, die auch durch den Schlauch eingeführt werden können, entfernt. Auch hierbei können in seltenen Fällen starke Blutungen auftreten.

Im Anschluss der Behandlung kannst Du, auch nach der Entfernung von Polypen, wieder normal essen. Nur bei Einnahme eines Beruhigungsmittels solltest Du auf das Nachlassen der Wirkung warten. Unangenehme Blähungen infolge der Untersuchung durch die eingeblasene Luft lassen sich nicht vermeiden. In einigen Fällen wird aber Kohlenstoffdioxid anstelle der Raumluft verwendet, da dieser vergleichsweise schneller abgebaut werden kann. Ein Arztgespräch und die Abklärung von möglichen Gewebeproben im Spezial-Labor komplettiert die Darmspiegelung.

War die Darmreinigung unvollständig, muss die Untersuchung ein zweites Mal durchgeführt werden, da der Arzt nicht den gesamten Dickdarm betrachten konnte. Bei großen Darmpolypen mit hohem Blutungsrisiko wird oftmals entschieden, die Koloskopie im stationären Bereich durchzuführen. Das Gleiche gilt für Engstellen nach einer Operation oder bei Morbus-Crohn-Patienten mit stark entzündeten Darmabschnitten.